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kapelle priesterseminar paderborn

bauherr
erzbistum paderborn
fotograf
jens kirchner, düsseldorf (bilder 1 bis 10)
benjamin zweig, bieling architekten (bilder 11 bis 13)
architekt
bieling architekten, paderborn

Das Erzbischöfliches Theologenkonvikt Paderborn und das Priesterseminar wurden im Rahmen einer von Bieling Architekten (Kassel/Hamburg) durchgeführten Sanierung zu einem Gesamtkomplex umgebaut und mit dem Neubau einer Kapelle, als Kernstück, erweitert. Der schmale Quader der Kapelle wurde in eine neu geschaffene Hofsituation eingestellt, die an zentraler Stelle zwischen zwei Altbauten und einem neuen Riegel entstanden ist. Der Hof, als eingeschossiges Foyer räumlich geschlossen, verknüpft die anliegenden Gebäudeteile.

Die Außenwände der Kapelle sind weiß geputzt und bilden damit einen deutlichen Kontrast zu den backsteinverkleideten Flanken des Foyers. arens faulhaber lichtplaner unterstreichen diese Ablösung mit einem in die bauliche Fuge verdeckt angeordneten LED Profil. Die Fortführung dieser Lichtfuge betont die in der Breite der Portale angehobene Decke im Vorbereich der Kapelle. Drei Reihen rahmenloser, minimierter Downlights unterstützen diese einladende Geste im Zusammenspiel mit einer Variation in der Verlegung des hellen Natursteinbodens.

Rechts und links der Kapelle bleiben im Foyer zwei in den Hof mündende Gänge. Während jeweils fünf linear angeordnete Downlights in der Decke eingesetzt sind, um den Raum gleichmäßig auszuleuchten, wird der Fokus des Betrachters auf die jeweils sieben Kreuzwegstationen gelenkt. LED Profile mit vorgesetzter Linse wurden verdeckt in den oberen Sturz der Wandnischen montiert, so dass sie gezielt nur die in den Nischen eingelassenen halbplastischen Schnitzereien beleuchten.

Die Kapelle öffnet sich als schmaler, doppelgeschosshoher Quader in Höhe und Tiefe mit überraschender Großzügigkeit. Die im Vorbereich eingeführte lineare Ordnung der Leuchten wird an der deutlich höher liegenden Decke der Kapelle fortgeführt, hier jedoch nur in zwei Reihen von Downlights.

Ein als schlanker, natursteinverkleideter ausbildeter Kubus, der den Beichtstuhl beherbergt, bildet die Rückwand für den Altar und schottet gleichzeitig den dahinterliegenden Andachtsraum ab.

Die im unteren Bereich an den Längsseiten der Kapelle glatt weiß geputzten Wände sind leicht eingerückt, so dass beidseitig eine Art flacher Nischen erzeugt wird. Die davor an den Längsseiten schwebend montierten Sitzbänke erhalten durch darunter und dahinter montierte Led-Profile eine leichte, abgelöste Erscheinung.

Wie eine Haube wirkt die etwa auf der Höhe des ersten Geschosses aufgestellte Konstruktion aus hellen Holzlamellen aus Esche. Ein schmaler Wartungsgang bleibt zwischen Wand und hölzernem Einbau. Einem groben Gewebe gleich filtern die Hoizlamellen das bei Tage durch das Glasdach einfallende Licht. Besondere Lichtszenarien, die dem Anlass und der Tageszeit entsprechend eingestellt werden können, ermöglichen die auf jedem Kreuzungspunkt auf der Rückseite der Holzkonstruktion montierten LED-Spots RGBW. Die Spots sind auf die dahinter liegenden weiß gestrichenen Wände bzw. das von innen teilweise weiß bedruckte Glasdach gerichtet, so dass über die Rückreflexion der im Verborgenen liegenden Lichtquellen der ganze Raum in farbiges Licht getaucht werden kann. Mit dem kaltweißen Lichtbild lässt sich das Tageslicht an trüben Tagen unterstützen, Warmweiß ermöglicht eine harmonische Überleitung in den Abendstunden. Das amberfarbene Licht erzeugt ein festliches Nachtszenario in warmem Kerzenlicht. Nichts Fremdes wird der klaren Struktur des Raumes hinzugefügt, nichts wird einfach überzeichnet, doch die Qualitäten des außergewöhnlichen Raumes können über die Beleuchtung unaufdringlich in Szene gesetzt werden. So konnte der Wunsch der Seminaristen nach farbigem Licht in der Kapelle, der anfänglich durchaus kontrovers diskutiert wurde, umgesetzt werden.

Mit dieser äußerst zeitgemäßen Lichtlösung lässt sich die Kapelle des Priesterseminars auf unaufdringliche aber sehr wirkungsvolle und nahezu unsichtbare Weise in Szene setzen, ohne dass die Lichtquellen selbst in Erscheinung treten würden.