bauherr
microsoft germany gmbh
innenarchitekt
monika lepel, lepel & lepel, köln
fotograf
hg esch, hennef

Als Microsoft 2008 in den Neubau im Rheinauhafen zog, war die Firma unter den Pionieren des neuen Kölner Stadtteiles. Gut zehn Jahre später hat sich der Standort etabliert, doch die Arbeitswelt hat sich erheblich verändert. Nicht nur die Arbeitsabläufe haben sich durch die praktizierte Digitalisierung vollkommen verändert, auch die Hierarchien sind wesentlich flacher und durchlässiger, Räume dadurch offener geworden. Corporate Identity soll sich nun auch am Arbeitsplatz zeigen. Mitarbeiter und Besucher sollen spüren, wo und für wen sie arbeiten. Sie sollen nicht nur optimale Bedingungen zum Arbeiten vorfinden, sondern eine inspirierende Atmosphäre. Ein zeitgemäßer Arbeitsplatz soll Identität stiften, er besteht aber längst nicht mehr nur aus Tisch und Stuhl, sondern häufig aus einer variablen Folge von Räumen und Situationen, in denen man sich je nach Tätigkeit bewegt. Monika Lepel, LEPEL & LEPEL, Köln wurde von microsoft als Innenarchitektin beauftragt, den Kölner Standort vollkommen neu zu konzipieren und ihn für die Mitarbeiter, die vorher teilweise das Homeoffice bevorzugten, wieder attraktiv zu machen.

Monika Lepel und ihr Team organisierte die auf zwei Etagen gelegenen Flächen, Großraumbüros, Besprechungsräume, ein großer Multifunktionsraum und ein Mitarbeitercafé neu und inszenierte sie als einen Spaziergang durch Köln. Mal mehr, mal weniger prägnant tauchen in den Räumen atmosphärische Zitate aus der Stadt auf. Die Altstadt, der Rheinauhafen, das Belgische Viertel und die schäl Sick gaben Inspiration zur Gestaltung und Gliederung unterschiedlicher Bereiche. Zusammengehalten werden die Räume mit dem „Kölner Brückengrün“, dem markanten Farbton, den Oberbürgermeister Konrad Adenauer 1929 allen städtischen Rheinbrücken verordnet hatte. Bis heute leistet die Stadt dem Folge, Bestätigung gibt der Blick auf die Severinsbrücke, die direkt neben den microsoft-Büros über den Rhein führt.

Eine Herausforderung für die Lichtplanung stellte hier neben der schwierigen Struktur des Gebäudes auch das vergleichsweise knappe Budget der Maßnahme dar. Die durch die Kühldecke niedrige Raumhöhe erforderte einen extrem effizienten Einsatz von Akustik- und Lichtelementen, im Idealfall sogar eine Überlagerung/Kombination. Individuelle Lösungen dafür entwickelten die Lichtplanerinnen immer analog zu den von den Innenarchitekten vorgegebenen Settings. Alle Räume wurden mit einer Kombination aus direktem und indirektem Licht ausgestattet, wobei die gewünschte Atmosphäre einen großen Einfluss auf die Auswahl der sichtbaren Leuchten hatte. In vielen Bereichen wurden Akustiklamellen unter den Decken installiert, teilweise laufen sie parallel zur Fensterfront, an einigen Stellen auch orthogonal dazu. Hier war es möglich die indirekte Beleuchtung mit LED-Profilen (Lichtfarbe 3000K) quasi uneinsehbar zwischen den Lamellen zu montieren und darunter dekorative Leuchten abzupendeln.

Der zentral gelegene Empfangs- und Kundenbereich mit Lobby und Konferenzräumen spielt mit dem Altstadt-Thema und verwendet Zitate von Dom, Funkhaus und Brauhaus. Den Empfangsbereich schmücken hinterleuchtete Kupferplättchen als Referenz zum Dom, unsichtbar montierte LED-Schienen hinterleuchten die großen Akustiksegel im Empfangsbereich. Im Café finden sich Referenzen zur Eleganz der Nachkriegsmoderne wie sie auch im WDR-Funkhaus erhalten sind, wie die Kugelleuchten (siehe Domplatte) mit untergehängten Pflanzschalen über den Tischen.

In den brückengrün tapezierten Fluren und Verkehrsflächen wurden die vorhandenen Lichtschlitze mit LED zeitgemäß ausgestattet.

Das Brauhaus wurde zum Thema für Alternative Workspace und Konferenzräume: Ein Cluster aus weißen Zylindern an der Decke dient als Akustikmaßnahme. Licht kommt hier nur über eine parallel zum Fenster verlaufende LED-Stromschiene und punktuell aus wandmontierten Kugelleuchten sowie kupferfarbenen Akku-Leuchten (kein Elektroanschluss möglich) auf den Tischen. Über einem großen Tisch, dessen Module verschieden kombinierbar sind, hängt ein Cluster aus tropfenförmigen Pendelleuchten mit Korkschirm und feinem Kupferring die das Brauhausthema zeitgemäß weiterspinnen.

In den Büroräumen wurde jedem Arbeitsplatz eine Stehleuchte zugeordnet, die eine direkte Beleuchtung des Arbeitsplatzes sowie ein gleichzeitig indirektes Raumlicht ermöglicht.

Um das Arbeiten im Großraum stressfrei zu gestalten, wurden mehrere Telefon- und Gesprächszellen eingerichtet. Der Farbton des Schirms der an den Arbeitsplätzen verwendeten Pendelleuchten entspricht dem dunkeln Ziegelrot der Wände - Harmonie auf kleinstem Raum.

In den zahlreichen Besprechungsräumen wurden Lichtlösungen entwickelt, die auf die Formgebung der Möblierung und Akustikelemente reagieren. Drei Pendelleuchten in Form flacher Zylinder geben direktes Licht auf den runden Tisch, während indirektes Licht aus LED-Profilen (Lichtfarbe 3000K) verborgen hinter den großen Akustikpaneelen über die Decke in den Raum strahlt. Quadratische sehr flache Leuchten mit Kanteneinspeisung bilden mit den in einem hellen Braunton gestrichenen Akustikpaneelen einen bewegten, aber harmonischen Gesamteindruck eines Gruppenarbeitsplatzes.

In einem so bewusst lebhaft gestalteten Arbeitsumfeld gilt es neben einer optimalen bedarfsangepassten Ausleuchtung aller Bereiche die dekorativen Beleuchtungselemente stilistisch so genau einzupassen, dass sie das Setting in Szene setzen.

zurück zu verwaltungsbauten